Portrait von Franz Anton Bieger

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Dorfpfarrer und begnadeter Komponist

Portrait von Pfarrer Franz Anton Bieger


Geboren am 27. November 1833 in Burgebrach, einer fränkischen Kleinstadt nahe von Bamberg, erhielt Franz Anton Bieger 1864, nach einem Wechsel von der Erzdiözese Bamberg, seine erste Pfarrstelle in Haselbach (Kirchheim) bei Mindelheim in der Diözese Augsburg. Im Jahre 1869 kam er als junger Geistlicher nach Genderkingen. Auf Anweisung der Diözese musste er seine Pfarrstelle mit dem damaligen Genderkinger Dorfpfarrer Franz Becherer tauschen.

Pfarrer Bieger mit Pfarrköchin (sitzend) und Helene Wanner, verh. Narr (rechts stehend), anno 1903 im Pfarrgarten vor dem Pfarrstadel. Die beiden anderen Damen sind namentlich noch nicht bekannt.

In Genderkingen engagierte sich Pfarrer Bieger nach besten Kräften. Neben seiner Seelsorge und den damit verbundenen weiteren Aufgaben (Schulaufsicht) wirkte er als Vorstand des Armenpflegschaftsrates, war Gründungsmitglied und Vorsitzender der Raiffeisenbank und war auch bei der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr des Ortes maßgeblich beteiligt.


Doch dies war nur die eine Seite seines Wirkens. Seine andere Seite gehörte der Musik. Biegers erste Aufgabe in Genderkingen war der Bau der neuen Orgel. Er war Gründungsmitglied und Dirigent im Orchesterverein in Donauwörth und gehörte dem noch heute existierenden Gesangverein „Harmonie“ an, für den er auch komponierte. Berühmt im ganzen Umkreis aber machte ihn, noch lange über seinen Tod hinaus, die Zusammenarbeit mit Ludwig Auer, dem Stifter des Cassianeums in Donauwörth. Zu dessen Trauerspiel „Maria von Brabant“ schrieb er die Musik.


Das besondere Interesse Biegers aber galt der Kirchenmusik. Ein Blick in das „Universal-Handbuch der Musik“ von Pazdirek aus dem Jahre 1908 beschreibt ihn als namhaften Vertreter der süddeutschen Kirchenmusik. Aus seiner Feder flossen lateinische Mes-sen, Vespern, Offertorien, Marienhymnen, Pange-Lingua-Vertonungen, ein lateinisches Requiem und einige andere Gebrauchsmusik zum katholischen Gottesdienst.


Die Verlage Böhm & Sohn in Augsburg, Seiling und Pustet in Regensburg veröffentlichten vieles davon. Im Bombenhagel des II. Weltkriegs ging jedoch das meiste verloren. Einige wenige wertvolle Autographen von Biegers Kirchenkompositionen überdauerten im Pfarrarchiv Genderkingen und wurden 2001 der Bischöflichen Zentralbibliothek in Regensburg zur Archivierung und Katalogisierung (Bayerische Musiksammlungen) übergeben. Jüngst entdeckte Dr. Ottmar Seuffert (Stadtarchiv Donauwörth) auch wieder Biegers Musik zu Ludwig Auers „Maria von Brabant“, die bislang als verschollen galt.


Der Kirchenkomponist Bieger war „Caecilianer“. Als Anhänger der caecilianischen Reformbewegung des 19. Jahrhunderts lehnte er sich eng an den Kirchenstil der Renaissancezeit an. Seine Tonschöpfungen wirken schlicht und natürlich empfunden. Sie sind melodisch, gut singbar, gehen ins Gehör und zeigen bei sicherer Satztechnik viel Frische und rhythmischen Schwung. Für Freunde der Kirchenmusik aus der Zeit der tridentinischen Liturgie sind die Werke Biegers noch heute ein außerordentlicher Hörgenuss.


Im Januar des Jahres 1907 feierte Franz Anton Bieger sein 50-jähriges Priesterjubiläum. Aus diesem Anlass wurde ihm vom Bayerischen König der „Ludwigsorden“ verliehen. Gesundheitlich war Bieger schon seit längerer Zeit durch eine Zuckerkrankheit schwer angeschlagen. Nur noch auf die Schulter eines Ministranten gestützt, konnte er die Stufen des Hochaltares betreten. Am 23. April 1907 verstarb Franz Anton Bieger.


Todesanzeige im Donauwörther Anzeigenblatt vom 25. April 1907


Zu seiner Beerdigung wurden ihm zahlreiche Abschiedsreden gewidmet. In ihnen war die Rede von einem „genial veranlagten Geist“ und von einem „gottbegnadeten Musiker“. Man sprach von seinem Leben als von einer „Leidenskette“, die es aber nicht vermochte, sein „edles Gemüt“ und seinen „goldenen Humor“ zu unterdrücken. Die Donauwörther Zeitung berichtete damals: „Dem Eindruck, dass hier ein Großer zur letzten Ruhe bestattet wurde, konnte sich niemand entziehen!“


Mit dem Wegfall der lateinischen Liturgie in unseren katholischen Kirchen geriet Pfarrer Franz Anton Bieger weitgehend in Vergessenheit. Doch allmählich scheint das Interesse an den Werken dieses begnadeten Komponisten und Dorfpfarrers wieder zu erwachen. Die Gemeinde Genderkingen hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Andenken an Franz Anton Bieger zu bewahren.