Kirchenchor

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Genderkinger Heimatbuch
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s.a. neuere Erkenntnisse zum Kirchenchor der Pfarrei St. Peter und Paul Genderkingen

Der Kirchenchor

Seit wann der Kirchenchor in Genderkingen besteht, läßt sich nicht mehr feststellen. Es kann jedoch von einer frühen Gründung ausgegangen werden, da zu Beginn des 19. Jahrhunderts der Augsburger Domkapellmeister Franz Bühler (1801 - 1823) vom damaligen Bischof beauftragt worden war, den Gesang auf dem Lande zu fördern.

Da normalerweise die Schullehrer den Chorleiterdienst, ähnlich dem Organisten- und Mesnerdienst, als Zubrot zu ihrem spärlichen Lebensunterhalt versahen, ist es möglich, dass dieser Auftrag in Genderkingen auf fruchtbaren Boden fiel: zu dieser Zeit unterrichtete an der Schule ein für die Musik höchst aufgeschlossener Lehrer, Josef Köhle. Für die Existenz eines Kirchenchores spricht außerdem das Vorhandensein einer Orgel.

Sicher darf man annehmen, dass während der Amtszeit von Pfarrer Franz Bieger (1869 - 1907) der Chorgesang gepflegt wurde. Pfarrer Bieger komponierte zahlreiche Messen und geistliche Gesänge, wovon noch etliche im Original vorliegen. Zum Teil sind die Noten für gemischten Chor und Orchester auch in gedruckter Form bis heute erhältlich.

Von 1898 bis 1924 hatte der Schullehrer Martin Kraus die Leitung des Kirchenchores inne. 1907 berichtet das „Donauwörther Anzeigeblatt", dass unter seiner Leitung der „Chor der Kirchensänger" die kirchliche und weltliche Feier zur Installation des neuen Genderkinger Pfarrers Hampp mit „vortrefflichen Weisen" umrahmte.

Der Kirchenchor hatte aber zu dieser Zeit nicht nur die ehrenvolle Aufgabe, Feste mitzugestalten, sondern war in der Regel auch für den (vornehmlich lateinischen) Gesang bei nahezu allen Sonntagsgottesdiensten, Nachmittagsvespern und Sonntags-Maiandachten zuständig.

Von 1925 bis 1935 übernahm Lehrer Josef Bengeser die Leitung des Kirchenchores. Er bereitete musikalische Schülerinnen und Schüler auf den Eintritt in die Chorgruppe vor, indem er sie privat gesanglich weiterbildete. Nach dem Weggang von Josef Bengeser dürfte ein Jahr lang Lehrer Leinauer die Sänger und Sängerinnen geleitet haben, bis 1936 Theodor Leißl als Lehrer an die Genderkinger Schule kam. Er führte den gemischten vierstimmigen Chor 7 Jahre über seine Pensionierung hinaus bis 1975. Damit Leißl den Organistendienst versehen konnte, dirigierte Anton Aufheimer den Chor bei Gottesdiensten und Festakten.

Von 1939 bis 1945 mußten viele Sänger, darunter auch Lehrer Leißl, in den Krieg ziehen, weshalb in dieser Zeit der Chor als dreistimmiger Frauenchor von der Ehefrau des Lehrers, Bernhardine Leißl, weitergeführt wurde. Nach Kriegsende erfuhr der Chor großen Zuwachs aus dem Kreis der Heimatvertriebenen, die aus Schlesien und dem Sudetenland in unser Dorf kamen.

Nach einem Bericht von Pfarrer Florian Jaumann vom 27.12.1950 brachte der Kirchenchor damals Jeden Feiertag und jeden 2. oder 3. Sonntag eine vierstimmige Messe zur Aufführung". Seit den Beschlüssen des 11. Vatikanischen Konzils (1963) wird auch der Gemeindegesang in vom Chor gestaltete Gottesdienste miteinbezogen. Als ein Ereignis besonderer Art galten nach dem Krieg die Kirchenchorbälle mit gesanglichen Einlagen.


Nach dem Tod von Theodor Leißl übernahm 1975 der neu installierte Pfarrer Josef Kudella die Leitung des Kirchenchores. Da er die Sänger und Sängerinnen selbst dirigierte, hatten diese nun ihren Platz im Chorraum vor dem Hauptaltar. Pfarrer Kudella brachte neues Liedgut, v. a. in deutscher Sprache, in den Chorgesang ein und initiierte das alle zwei Jahre stattfindende Adventssingen - einen besinnlichen Abend, bei dem auch andere Instrumental- und Gesangsgruppen aus der Gemeinde mitwirken.

1982 wurde Pfarrer Kudella nach Donauwörth-Riedlingen versetzt und so übernahm Frau Alruna Höger-Latzel die Leitung des Kirchenchores. Auf Anregung des Bischofsamtes wurden nun wieder vermehrt lateinische Messen einstudiert, wie z. B. die Friedensmesse von Huber, die Messe in G von Filke oder die Missa breve Nr. 7 von Gounod. Außer bei der Gestaltung von Feiertagsgottesdiensten wirkt der Kirchenchor bei feierlichen Maiandachten, bei Hochzeiten inner- und außerorts und bei Beerdigungen mit. Auch das unter Pfarrer Kudella begonnene Adventssingen wird weiterhin durchgeführt. Der Kirchenchor beteiligt sich ferner an den Dekanatssingen.

Neben den gesanglichen Aktivitäten wird auch das gesellige Leben gepflegt. So unternimmt man regelmäßig Ausflüge und pflegt Traditionen wie das Osteressen, das jährlich nach der Auferstehungsfeier im Pfarrhof abgehalten wird. Der gemischte vierstimmige Kirchenchor besteht derzeit (1995) aus 28 Sängerinnen und Sängern. Die Proben finden einmal wöchentlich im Rathaus statt.

Der Kirchenchor Genderkingen 1989 unter der Leitung von Frau Alruna Höger-Latzel
Unterste Reihe von links: Walburga Wagner, Amalie Roßmann, Sofie Seeler, Andrea Engelhard, Gabriele Glaß, Mathilde Schöner, Walburga Schweier, Blanka Bosch, Marianne Riegel, Helene Klein
2. Reihe v.li.: Smilja Litzl, Helene Braun, Annemarie Jäntsch, Maria Miehle, Adele Latzel, Maria Krabler, Mathilde Dienst, Irmgard Wenka, Martha Krause, Elisabeth Lehner
Oberste Reihe v.li.: Rudolf Steiner, Konrad Miehle, Max Hinterberger, Karl Wenka, Arno Mitschke, Leo Löffler, Josef Bosch, Adolf Krause, Wilhelm Löffler, Xaver Krabler, Wilfried Rudolf, Josef Kristen. Auf dem Bild fehlt Eberhard Schöner